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03.03.2011 | 22:30 Uhr

„Das Schachleben tobt an dieser Schule“

Qualitätssiegel „Deutsche Schachschule“ für Meranier-Gymnasium / Preis für „aktivste Jugendarbeit“ an SV Seubelsdorf

LICHTENFELS - Der Frage „Was ist so toll am Schach?“ haben sie am Mittwoch in der Aula des Meranier-Gymnasium alle ein wenig nachgespürt, die Schachenthusiasten und Ehrengäste. Anlässlich der Verleihung des Qualitätssiegels „Deutsche Schachschule“ an das MGL durch den Schulschachreferenten des Landes Bayern und der Überreichung des Jugendpreises des Schachbezirks Oberfranken an den Schachverein Seubelsdorf sah man ausschließlich strahlende Gesichter.

Der Schachboom am MGL hat einen Namen, aber viele Gesichter.

Explodierendes Projekt

Oberstudienrat Matthias Bergmann, seines Zeichens Leiter der Schulschachgruppe des Gymnasiums und Jugendwart beim Schachverein Seubelsdorf, koordiniert als Initiator des inzwischen förmlich explodierenden Projekts „Schachinitiative Lichtenfels“ mittlerweile 14 Schüler als Tutoren, die wiederum Schachunterricht an sechs verschiedenen Schulen in Lichtenfels, Seubelsdorf, Bad Staffelstein und Michelau vor über 120 Mädchen und Buben erteilen.

Beinahe zwangsläufig

Aus der Breite erwuchs beinahe zwangsläufig eine nicht minder beachtliche Spitze. Vier Wettkampfklassen haben bei den Oberfränkischen Meisterschaften Teams der „Schachinitiative Lichtenfels“ gewonnen, bei den Jüngsten, der WK IV, gewann man gar zum vierten Mal in Folge.

Warum klappt beim Lichtenfelser Schach das, was auch andere Sportarten versuchen, aber oft nicht erreichen, nämlich die Nachwuchsförderung im Spannungsfeld zwischen Schule, Verein und Verband?

Matthias Bergmann erläuterte seinen auf Erich Kästner zurückgehenden Wahlspruch „Es geht um die Kinder“ als Gemeinsamkeit der oftmals verschiedene Interessen verfolgenden Institutionen. Hinzu kämen die spezifischen Merkmale und die positiven Begleiterscheinungen des Phänomens Schachspiel.

Spezifische Merkmale

Die oft zitierten kognitiven Aspekte wie Förderung der Konzentrationsfähigkeit, Logik oder mathematische Kombinationsfähigkeit stellte er dabei sogar weniger in den Vordergrund als die emotionalen und sozialen.

Intellekt wird gefördert

„Schach ist ein stiller Dialog mit dem Gegner, seine Züge und Absichten kann ich nicht ignorieren. Im Schach lerne ich viel über mich selbst, denn Fehler oder Niederlagen kann ich auf niemanden sonst als auf mich schieben. Analyse und Selbsterkenntnis können mich so auch intellektuell weiter bringen“, so Matthias Bergmann.

Rückblick

Nachdem also der Bogen vom Lichtenfelser Kinder- und Jugendschach fast bis ins Philosophische gespannt worden war, passte es nur allzu gut, dass der gebürtige Reundorfer Prof. Dr. Uwe Voigt, bald Lehrstuhlinhaber für Philosophie an der Uni Augsburg, auf die Anfänge der MGL-Schachgruppe zurückblickte, die er selbst im Schuljahr 1983/84 miterlebt hatte.

Was daraus geworden ist, reduzierte der Schulschachreferent des Landes Bayern, Walter Rädler aus Baldham bei München, auf die einfache Formel: „Das Schachleben tobt an dieser Schule!“

Überwältigend

„Überwältigend“ in allen Kategorien sei die 30-seitige Bewerbung des MGL gewesen, egal, ob man die Räumlichkeiten und Materialien, die Qualität des Schachtrainings, die Turnierangebote oder auch die Kooperation von Schule und Verein betrachtete habe, betonte Rädler.

Das erst zum zehnten Mal in Deutschland vergeben Qualitätssiegel „Deutsche Schachschule“ sei daher nur folgerichtig gewesen.

Sehr erfolgreich

Mit einer weiteren Auszeichnung schloss sich Thomas Carl an, der Vorsitzende des Schachbezirks Oberfranken.

Der Jugendpreis für die „aktivste Jugendarbeit“ ging an den Schachverein Seubelsdorf, weil die Gruppen um Vorsitzenden Hans Richter und Jugendleiter Matthias Bergmann fast immer die meisten und oft auch die erfolgreichsten Teilnehmer bei den regionalen Turnieren stellten.

An die Bretter

Doch es wurde nicht nur über Schach geredet, sondern auch Schach gespielt bei dieser Ehrungsveranstaltung. Prof. Dr. Uwe Voigt, einstmals selbst Abiturient am Meranier-Gymnasium Lichtenfels, ließ es sich nicht nehmen, an 20 Brettern gleichzeitig im Uhrensimultanspiel gegen die Mädchen und Buben der MGL-Schulschachgruppe anzutreten und musste hart um jeden einzelnen Partiegewinn kämpfen. -cv-


Doppelte Ehrung für das Meranier-Gymnasium Lichtenfels und den Schachverein Seubelsdorf für eine vorbildhafte Kooperation. Das MGL erhielt das Qualitätssiegel „Deutsche Schachschule“, der SVS den Preis für die „aktivste Jugendarbeit“ (v. li.): SVS-Vorsitzender Hans Richter, Bayerns Schulschachreferent Walter Rädler, Schulleiter Stefan Völker, Schachgruppenleiter Matthias Bergmann, Prof. Dr. Uwe Voigt, Stellv. Landrat Helmut Fischer und der Vorsitzende des Schachbezirks Oberfranken, Thomas Carl. Fotos: cv


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